Als Jochen Schweizer vor gut einem Jahr kundtat, dass er die Start-up-Fernsehshow “Die Höhle der Löwen” verlassen wird, konnten das manche seiner Mit-Juroren nicht verstehen. “Bist du verrückt? Ich würde da niemals freiwillig aussteigen”, meinte einer zu ihm. Doch Schweizer sagt, er habe mit den “Löwen” alles erreicht, habe mit der Show den Deutschen Fernsehpreis gewonnen, sei in Umfragen der mit Abstand beliebteste “Löwe” gewesen. Was solle da noch als Steigerung kommen?

Außerdem hatte er damals bereits andere Pläne im Kopf: Schweizer verhandelte, wie ein paar Wochen später bekannt wurde, mit Investoren darüber, den größten Teil seiner Firmengruppe zu verkaufen – für 97 Millionen Euro ging das Geschäft mit Abenteuer-Gutscheinen schließlich an den Medienkonzern Pro Sieben Sat 1.

Und nun bekommt Schweizer auch noch seine eigene Fernsehshow – mit ihm als Gastgeber, als Namensgeber. “Jochen Schweizer – der Traumjob” lautet der Arbeitstitel für das Format, welches im Herbst dieses Jahres auf Sendung gehen soll, zur Primetime um 20.15 Uhr, zu der auch Quotenbringer wie “Germany’s Next Top Model” ausgestrahlt werden.

Rund ein halbes Dutzend Folgen sind geplant, mit etwa zehn bis zwanzig Kandidaten wird Schweizer im Juni und Juli für seine TV-Show um die Welt reisen, nach Afrika, Asien und Skandinavien, die Traumjob-Aspiranten müssen als Team Abenteuer meistern, wie sie der Extremsportler Schweizer in seinem Leben auch bewältigt hat. Dem Sieger winkt ein Posten als Geschäftsführer in Schweizers Firmengruppe.

Denn der ehemalige Stuntman steckt auch nach dem Verkauf des Gutschein-Geschäfts an Pro Sieben Sat 1 voller Ideen: Er investiert in junge Unternehmen, betreibt zusammen mit seinem Sohn einen Hubschrauber-Dienst, schreibt an einem Buch über Ernährung und will eine eigene Lebensmittelkreation auf den Markt bringen, kleine Vitamin-Bällchen, die aussehen wie Schokoladenkugeln, aber aus 15 verschiedenen Früchten bestehen, benannt, na klar, nach ihm: “Jochen Schweizer Superfood” könnten sie heißen.

Ganz besonders am Herzen liegt Schweizer seine im März 2017 eröffnete Arena im Münchner Süden. Sie ist eine Mischung aus Abenteuer-Spielplatz, Event-Location und Restaurant. Man kann dort auf einer künstlichen Welle surfen, in einem Hochseilgarten klettern oder in einem Windkanal fliegen. Über 300 000Besucher kamen im ersten Jahr, über 200 Firmen nutzen das Gebäude, das in Taufkirchen steht, unweit des Autobahnkreuzes München-Süd, für Veranstaltungen.

Aber Schweizer ist das nicht genug: Er will neben der Arena ein Hotel und ein Seminarzentrum errichten und dort gemeinsam mit einem Investor, den er noch sucht, 60 Millionen Euro investieren. “Wir sind inzwischen eine bedeutende touristische Destination und wollen in den nächsten Jahren weiter wachsen”, sagt er. Für einen neuen Geschäftsführer, der in eines seiner Unternehmen einsteigt, gäbe es also genug zu tun.

Tiefschnee, Fallschirmsprünge und eine Reise durch die Wüste

Die Idee für das neue Fernsehformat, sagt Schweizer, habe er bereits vor Jahren gehabt, als Löwe habe er ständig Angebote für andere TV-Shows bekommen, er wollte aber selber etwas auf die Beine stellen. Die Idee sei dann in einem Gespräch mit dem früheren Chef von Pro Sieben Sat 1, Thomas Ebeling, gereift, und sie reift nun weiter. Schweizer entwickelt gerade mit einem Produktionsteam von Sony Pictures Entertainment das finale Konzept, gemeinsam reisen er und die TV-Leute zudem um die Welt, um die richtigen Locations für die Abenteuer-Tour zu finden.

Wohin es in der Show gehen wird, will Schweizer nicht verraten – er hat eine Verschwiegenheitsvereinbarung unterschrieben. Nur Norwegen, seine zweite Heimat, wo er oft mit dem Paddelboot unterwegs ist, nennt er. Und so viel: “Die Länder, in die es geht, haben alle eine wichtige Rolle in meinem Leben gespielt.”

Auch die Aufgaben, die es zu bewältigen gilt, werden sich an dem orientieren, was Schweizer in den vergangenen Jahrzehnten geprägt hat. Und weil Schweizer das in Büchern, Interviews und seinen Auftritten als Motivationsredner vielfach erzählt hat, kann man ahnen, was die Kandidaten erwartet: eine Reise durch die Wüste, wie Schweizer sie vor vier Jahrzehnten nach seinem Abitur gemacht hat; Touren durch wilde Gewässer und den Tiefschnee; oder auch Fallschirmspringen.

In seiner Sendung sucht Schweizer aber nicht den besten Sportler, sondern die beste Führungskraft. Einen, der einer Gruppe in schwierigen Situationen den richtigen Weg aufzeigen kann, der motivieren und überzeugen kann. Wenn man mit Schweizer darüber spricht, in einem Nebenraum seiner Arena in Taufkirchen, und diskutiert, was eine gute Führungskraft ausmacht, findet man sich schnell in einer beinahe philosophischen Diskussion wieder. Mal zitiert Schweizer dann Rudolf Steiner, den Erfinder der Waldorf-Lehre, und sagt, man müsse als Mensch eine Vorstellung davon haben, was man sein wolle – ansonsten treibe man wie ein Stück Treibholz durchs Leben. Mal zitiert er den Dalai Lama, und sagt, man solle seinen Erfolg nicht an Geld oder Titel messen, sondern an dem, was man aufgegeben habe, um diesen Erfolg zu erreichen. Und mal zitiert er Nelson Mandela, und sagt, unser größter Ruhm sei es nicht, niemals zu fallen, sondern immer wieder aufzustehen, wenn man gefallen ist. “Never give up – das ist die allerwichtigste Sache, die ich vermitteln will”, sagt er.

Ihm gehe es darum, “auch den Zusehern Kriterien für eine erfolgreiche Lebensführung zu vermitteln”, sagt Schweizer. Sucht er also jemanden, der genau so ist wie er? Nein, wehrt er ab. “Ich glaube nicht, dass ich mich als Vorbild eigne – dafür bin ich zu unvollkommen.” Auch er habe nie ein Vorbild gehabt, einen bestimmten Menschen, der das Maß aller Dinge sei, “aber ich habe mir vorbildliche Eigenschaften von unterschiedlichen Menschen versucht zu eigen zu machen, die in anderen Bereichen höchst unvollkommen waren”. Das will er auch seinen Kandidaten vermitteln: “dass man in fast jedem Menschen Eigenschaften finden kann, die vorbildlich sind”.

Schweizer will die Kandidaten anders als Trump nicht demütigen

Die Show, verspricht er, wird einen positiven Grundton haben. Er wird – anders als es Donald Trump in seiner Bewerber-Show “The Apprentice” getan hat – Kandidaten nicht heruntermachen, sie nicht demütigen. Sondern er will sie aufbauen, sie als Führungskräfte weiterbringen. Bewerben könne sich jeder, sagt er, vom Surfschullehrer bis zum Absolventen einer Business-School, und zwar unter prosieben.de/jochen-schweizer.

Für Schweizer ist die Show auch ein Geschäft. Sollte die erste Staffel gut laufen, könnte es eine Fortsetzung geben. Aber vorher muss er noch sehen, dass der Umbau der Arena vorangeht, der Bau des Hotels und auch eines Bürogebäudes, in dem seine Mitarbeiter unterkommen. Früher war seine Firmenzentrale in München-Ramersdorf, nun – nach dem Verkauf – muss er für die 90 Mitarbeiter von einst über 600, die ihm geblieben sind, eine neue Bleibe neben der Arena schaffen. Als Zwischenlösung hat er ein kleines Containerdorf errichten lassen. Aber in zwei Jahren, so hofft er, ziehen sie dann in einen schicken Glasturm zwischen dem neuen Hotel und der Arena, oben drauf ein Penthouse, in dem sich sein eigenes Büro befindet.

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